Rentner "Herta Hiller"

"Herta" Hiller zieht aufs Altenteil!

Herten vor dem Ruin? Banges Zittern in der Fleischwurststadt

Jürgen Hiller, einer der weltweit innovativsten Manager der Wurstindustrie, geht gegen Ende des Jahres in den Ruhestand und bringt damit einen gesamten Wirtschaftszweig ins Wanken.

"Wir wissen gar nicht, wie es ohne ihn weitergehen soll", so ein Sprecher des im nördlichen Ruhrgebiet ansässigen Wurstimperiums. "Er war der Mortadellaexperte der Branche. Seine Darm- und Saitlingskenntnisse sind sagenumwoben!"

Doch der beliebte Mitarbeiter, (von der weiblichen Belegschaft wird er liebevoll "Pfeffersäckchen" genannt), lässt sich von seinem einmal gefassten Entschluss nicht abbringen: "Ist mir doch Wurst. Ich höre auf. Alles hat eine Ende nur die Wurst hat zwei!"

Herta wird sich in Zukunft also alleine durchwursteln müssen. Wie kam es zu dieser gleichsam plötzlichen, wie schwerwiegenden Entscheidung? "So plötzlich war das gar nicht", erzählt, zunächst etwas zögernd, der stets hilfsbereite Nachbar. Nach dem zehnten Glas Grappa gibt er bereitwilliger Auskunft: "Meinen Abgang habe ich mittels einer ausgekochten Salamitaktik vorbereitet. Zur richtigen Zeit Kommen und Gehen war schon immer meine Devise! Schließlich will man ja nicht als armes Würstchen aus dem Berufsleben scheiden."

Mit etwas Bitterkeit im Ton stellt Jürgen Hiller fest, dass er und seine langgedienten Erfahrungen als "Dauerwurst des Gewerbes" nicht mehr so geschätzt werden, wie noch vor ein paar Jahren.

"Ungerechterweise, wie ich finde, denn die Rezepte der neuen Sülz- und Frischwurstgeneration erweisen sich häufig als völlig unpraktikabel", gibt der baldige Ruheständler zu bedenken. Doch sein Blick ist nach vorne gerichtet. Der rüstige Rentner ("Bei kurzsichtigen Frauen gehe ich noch für Vierzig durch.") schmiedet bereits eifrig Pläne für die Zukunft. "Ich habe mir vorgenommen zunächst ein wenig häuslicher zu werden", sprudelt es aus dem unternehmungslustigen Nachbarn heraus. "Erst gehe ich zu Helmut in die Kochlehre Danach melde ich für die Radtour "In 80 Tagen durchs Münsterland" bei Luschen an. Doch für die Aufnahmeprüfung in den Rentnerradclub werde ich noch einiges tun müssen!" Sich das Trio (Helmut, Luschen und Jürgen) bildhaft vorzustellen weckt Erinnerungen an den Film: "Immer die Radfahrer." Das wird das größte Trio seit Domingo, Pavarotti und Carreras, behaupten Kenner der Weinstubenszene und halten ein Remake des Ehrhardt-Klassikers für möglich. Darüber hinaus wird über eine mögliche Medienkarriere des telegenen Mittfünfzigers spekuliert. In feuchtfröhlicher Runde sind erste Arbeitsideen entstanden. Freunde raten zu einer Art tabuloser Talkshow mit dem unterhaltsamen Pensionär. Arbeitstitel: "Mach"s mit Jürgen." Ehefrau Kriemhild ist begeistert: "Da misch" ich doch glatt mit, hi, hi, hi!" Hiller will eigene Erfahrungen einbringen. Daher liest sich die geplante Themenliste des lebenserfahrenen Gourmands wie ein Knigge für Genussfreudige (z. B. "Stolperfrei nach Haus" trotz zwei Promille" oder "Busenschnüffeln richtig gemacht!") Ein spannender Lebensabschnitt für alle Beteiligten beginnt.

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