Terror in Hillers Garten

Jürgen Hiller und seine Familie werden seit einiger Zeit durch Nachbarn bedroht. Aus dem Grundstück in der Kurzestraße mit Zweifamilienhaus, Terrasse und Garten in ruhiger Lage ist, binnen weniger Tage, ein Kriegsschauplatz geworden.

Wie in einem unerbittlichen Partisanenkrieg, plötzlich unangekündigt und ebensäschnell wieder verschwunden, greifen die "unsichtbaren Gegner an.

Vor allem nachts, wenn friedliche Bürger schlafen, schlagen die Krieger aus der Nachbarschaft zu.

Der Sonntagabend nähert sich seinem Ende. Wird es auch in dieser Nacht wieder Anschläge auf die wohlverdiente Ruhe der Hillers geben?

Kurz nach Mitternacht reißen die ersten Detonationen Kriemhild Hiller aus dem Schlaf. Sie versucht ihren Mann zu wecken. Doch der ist kaum Wachzubekommen, weil er sich um endlich einmal wieder durchschlafen zu können mit Alkohol betäubt hat.

Nach einiger Zeit ist Jürgen dann jedoch einsatzbereit. Das Ehepaar betritt vorsichtig die Gartenterrasse. Auf dem Rasen entdecken Beide die Wurfgeschosse, die den Lärm verursachten.

Zwei "Actimel Mittelstrecken Granaten/AMG liegen auf dem Rasen. Weitere Spuren können zunächst nicht ermittelt werden. Woher die H2OBomben stammen und wer die Angreifer sind, kann das verängstigte Paar nicht mit letzter Sicherheit feststellen.

Aufgrund der Analyse der Flugbahn und gibt es einen Anfangsverdacht. Der Kreis der Verdächtigen lässt sich auf die Nachbarn der diagonal gegenüberliegenden Häuser eingrenzen.

In der nächsten Nacht werden die Angriffe massiver. Statt der weniger gefährlichen Kunststoffbomben werden jetzt gefüllte Marschflugkörper, aus mit Flüssigkeit gefülltem Glas, eingesetzt. Die Wucht des Aufpralls lässt das Geschoss kurz vor der großen Terrassenglasscheibe zerbersten. Bei einer unwesentlich höheren Wurfgeschwindigkeit hätte die Bombe das Fenster zerstört.

Neben der ohnehin vorhandenen psychischen Belastung, wäre es dann eventuell zu körperlichen Verletzungen gekommen.

Verängstigt, stark verunsichert und traumatisiert ziehen sich Hillers in den noch verschont gebliebenen vorderen Teil ihrer Wohnung zurück oder sie halten sich jetzt noch häufiger in der Weinstube auf, die auch außerhalb der Schusslinie liegt.

Wer sind der oder die Täter? Was treibt ihn/sie an?

Da es keine Bekennerschreiben gibt, ist man auf Spekulationen angewiesen.

Seit einiger Zeit verschönert Familie Hiller ihr Haus durch Fassadengestaltung und durch den Bau einer mediterranen Gartenbedachung. Ist Neid ein mögliches Motiv?

Ein Handwerker, der bei Hillers an den baulichen Veränderungen mitwirkte, will einen lamentierenden Nachbarn gehört haben der sich über die Baumaßnahmen echauffierte.

Wir haben mit Prof. A. Tacke vom Institut für interaktive Aggressionsforschung gesprochen. Er hat uns aufgrund der Schilderung dieses Falls ein Täterprofil erstellt.

Nach Tacke ist mit der kognitiven Bewertung eines Ereignisses als Provokation gleichzeitig ein Handlungsimpuls verbunden. Er unterstellt dem Täter Frustration, die zwangsläufig zu aggressiven Handlungen führe.

Massiv-aggressive Akte, wie sie der Bombenwerfer ausführe, seien in der Regel gegen Schwächere gerichtet: Kinder, Untergebene, sozial Abhängige oder Nachbarn.

Die Feigheit der Anschläge (Der Angreifer ergibt sich nicht zu erkennen) deute auf eine einsame Person mit geringem Selbstwertgefühl hin. Auch religiöser oder ideologischer Fanatismus als Antriebsfeder sei nicht gänzlich auszuschließen.

Die Zeitabstände zwischen den Anschlägen werden immer kürzer. Ein Hinweis darauf, dass der Aggressor unter erheblichem Druck stehe, der erst nach erneutem Angriff ventiliert würde.

Warum trifft es aber gerade die Hillers. Das Ehepaar "in den besten Jahren ist allgemein beliebt und sozial voll integriert. Vielleicht ist ja gerade das die Crux. Die Hillers repräsentieren alles das, was sich der Täter wünscht, aber nicht zu bekommen meint. Allgemeine gesellschaftliche Anerkennung, intakte Familienstruktur, zufrieden stellendes Sexualleben, gutes Auskommen, ein schönes Haus mit schönem Garten (die pflanzenlosen Nachbargrundstücke haben lediglich einen Asphaltboden).

Es sei nicht auszuschließen, dass der Unbekannte ein naher Bekannter ist, der sich hinter der Maske eines Biedermannes versteckt und dessen "dunkle Seite erst bei Nacht zum Vorschein kommt. Hillers sollten sich auf länger andauernde Vorkommnisse einrichten.

Der Täter wird weiter aktiv bleiben bis er entweder sein Ziel erreicht hat oder entlarvt wird. Wobei Letzteres durchaus auch sei Ziel sein könne. Eine Aufdeckung des Schuldigen wird häufig auch vom Täter als Befreiung empfunden.

Man kann Hillers für die Zukunft nur viel Kraft und starke Nerven wünschen.